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Patriziat und Plebs
(Prof. Dr. Hans F. K. Günther)
Freeman nimmt an, daß die mit dem Patriziat sich zur nobilitas zusammenschließen-
den plebejischen Geschlechter
„natürlicherweise diejenigen Geschlechter waren, die in einer anderen Stadt Italiens Patrizier gewesen waren, in Rom jedoch Plebejer“. Jeden-
falls sind aus der Plebs schließlich Familien mit einem unverkennbar nordischen Herren-
sinn hervorgegangen. Schon in der republikanischen Zeit war auch der plebejische Geschlechtername Flavius ziemlich verbreitet, ein Name, der ― von
flavus = ›blond‹ abgeleitet ― anzeigt, daß Blondheit nicht auf das Patriziat beschränkt gewesen sein kann.
Die rassengeschichtliche Frühzeit Roms kann man bis zur rechtlichen und sippen-
geschichtlichen Auflösung des Patriziats rechnen. Ein mittlerer Abschnitt der Geschichte Roms in rassengeschichtlicher Hinsicht reicht von der Bildung des Amtsadels, der
nobilitas, aus dem Patriziat und vornehmen Plebejergeschlechtern, die im 5. Jh. v.d.Z. vor sich ging, bis zum Aussterben dieses Adels gegen Ende der Republik im I. Jh. v.d.Z. Mit der Kaiser-
zeit beginnt die rassengeschichtliche Spätzeit Roms.
Die Herrenschicht des mittleren Abschnitts der Rassengeschichte Roms, die patrizisch-plebejische Nobilitas wird man sich nicht mehr als so vorwiegend nordisch vorstellen
dürfen wie die rein patrizische Herrenschicht der rassengeschichtlichen Frühzeit Roms.
Der Senat des wachsenden Staatswesens, in der Frühzeit aus dem Patriziat, nunmehr aus der Nobilitas zusammengesetzt ― und in welchem die großen Entscheidungen der römi-
schen Geschichte fielen ―, bietet auch nach Bildung des patrizisch-plebejischen Adels und bis zu dessen Aussterben doch immer das Bild einer Körperschaft überwiegend nordischer Menschen. Von der Nobilitas kraftvoll geführt, entfaltete das römische Staatswesen im 3. und 2. Jh. v.d.Z. die Tüchtigkeit einer nordisch geführten Republik.
Man wird eine Adelsrepublik als die bezeichnendste und zweckmäßigste Staatsform für ein Staatswesen ansehen müssen, das aus der Überschichtung einer noch zahlreicheren nordischen Herrenschicht über eine nicht-nordische Bevölkerung entstanden ist. Die römische Staatskunst verblieb in den Jahrhunderten, welche den sicheren Grund zur rö-
mischen Weltmacht gelegt haben, entsprechend der Abschließung der Nobilitas zu einem geschlossenen Geburts- und Amtsadel gleichsam innerhalb der seelischen Schwankungs-
breite einer ziemlich einheitlichen Auslesegruppe. Die bewunderte Stetigkeit der römi-
schen Staatsleitung beruht auf dieser rassenseelisch einheitlichen Leitung.
Den römischen Senat der frühen Republik konnte man als eine „Versammlung von Königen“ bezeichnen, als „die glänzendste Aristokratie, welche die Weltgeschichte, etwa abgesehen von dem großen Rate Venedigs, gesehen hat“ (Kuhlenbeck). Im Senate der republikanischen Zeit hat sich immer wieder nordisches Wesen staatsmännisch aus-
gedrückt: besonnene Kühnheit, beherrschte Haltung, überlegte bündige Rede, vordenk-
liche Entschlüsse, kühler Herrensinn, dazu die hohe Geltung der kennzeichnend römisch-nordischen Tugenden: Mannhaftigkeit
(virtus), Tapferkeit (fortitudo), weise Überlegung (sapientia), Selbstzucht (disciplina), würdiges Auftreten (gravitas) und Ehrfurcht (pietas). Es waren die sittlichen Werte, welche Rom aufgebaut haben und deren Verletzung Rom untergraben hat.
Die Kriege trugen zu Verlusten der Oberschicht bei. Bis 451 v.d.Z. waren schon 17 patrizische Geschlechter (gentes) ausgestorben, weitere 17 bis 367 v.d.Z. Das Aufgeben
der Landgüter, die Übersiedlung nach Rom, dem Machtmittelpunkte, muß gerade bei den durch Staatsgeschäfte an Rom gebundenen herrschenden Gechlechtern die Kinderarmut bewirkt haben, welche in der Regel mit dem Verlassen ländlichen Besitzes, des eigent-
lichen Erhaltungsuntergrundes für ein Geschlecht, verbunden ist. War der Familiensinn
der frühen Römer besonders stark und hat Rom die Landschaften Italiens hauptsächlich durch den Kinderreichtum seiner bäuerlichen Geschlechter gewonnen, so war die Erhal-
tung der führenden Geschlechter doch besonders gefährdet. Nach Plutarchos soll schon Marius Furius Camillus nach einem verlustreichen Kriege gegen die Falisker, den italischen Nachbarstamm der Latiner, Ehen unverheirateter Männer mit den Witwen der Gefallenen angeordnet haben, um die Verluste durch Geburten zu ersetzen. Kriegsverluste trafen
aber in der frühen und mittleren Geschichte aller Völker indogermanischer Sprache am meisten die Herrenschichten nordischer Rassenherkunft. Nach 367 v.d.Z. rechnet man nur noch 22 patrizische Geschlechter mit 81 Familien.
Nach den Kriegen gegen die anderen italischen Stämme, welche im 4. Jh. v.d.Z. Italien unter die Herrschaft Roms brachten, brachten die verheerenden drei Punischen Kriege
und deren Folgen der
Nobilitas anscheinend solche Verluste, daß ein Ausgleich durch Geburten kaum noch möglich war und unmöglich wurde durch die Zersetzung der alt-
römischen Anschauungen, welche dem Siege über Karthago folgten. Von den patrizischen Geschlechtern mögen kaum mehr als 20 die Punischen Kriege überdauert haben. Der Bauernstand ganz Italiens, in welchem sich nach der
Nobilitas noch am meisten alt-
italisch-nordisches Blut erhalten haben mußte, hatte im Zweiten Punischen Kriege an Menschen und Habe schwere Verluste erlitten. Weite Gebiete Italiens lagen öde, die
Bauern waren von Hannibal nach Rom vertrieben worden.
Nach seinem Siege wurde Rom zum Mittelpunkt des Geldwesens für einen großen Teil
der Mittelmeerwelt. Fremdstämmige aus den neueroberten Ländern und fernher wurden hierdurch angezogen. Wahrscheinlich sind von nun an viele Menschen vorderasiatischer Rasse ― diese Rasse hat immer besondere händlerische Befähigungen erwiesen ― nach Italien und besonders nach Rom übersiedelt. Freigelassene Sklaven vorderasiatischer
Rasse mögen für ihre händlerischen Fähigkeiten jetzt viel mehr Entfaltung gefunden
haben. Die bäuerliche herbe Einfachheit Altroms schwand erst aus dem Leben der Haupt-
stadt, dann ganz Italiens. Der sich mehrende Reichtum untergrub die römischen Sitten.
Der Amtsadel folgte dem Beispiel Reichgewordener und glaubte um seines Ansehens
willen einen erhöhten Aufwand treiben zu müssen. Die altrömische Redlichkeit wurde immer seltener.


(Aus: Hans F. K. Günther: Rassenkunde Europas. Mit besonderer Berücksichtigung der Hauptvölker indogermanischer Sprache, München 1930; Lebensgeschichte des Römischen Volkes, Pähl 1966, von uns zusammengestellt und -gefaßt)
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