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Niedergang des Hellenentums
(Prof. Dr. Hans F. K. Günther)
Die eigentliche ›Blütezeit‹ des athenischen Geisteslebens, die Jahre zwischen Mara-
thon (490 v.d.Z.) und Chaironeia (338 v.d.Z.) war demnach ― lebensgesetzlich (biologisch) aufgefaßt ― die höchste Stufe athenischen Lebens, von der aus athenisch-hellenischer
Geist sich auszurecken vermochte, eine Stufe, aufgebaut über dem Staats- und Geistes-
bau der Vorväter, während zu gleicher Zeit schon die Aushöhlung dieses Baues begonnen hatte durch Schwinden der eigentlich tragenden Erbanlagen. 479 war die hellenische Freiheit vor den Persern gerettet worden, 431 begannen die Hellenen jene gegenseitige Ausmerzung ihrer Tüchtigsten, welche als der Peloponnesische Krieg (431―404 v.d.Z.) bekannt ist.
Als die beiden Gegner, Athen mit seinen Verbündeten und Sparta mit seinen Verbün-
deten, völlig ermattet waren, die athenische Flotte zerstört, Athen von den Spartanern eingenommen war, kam es 404 v.d.Z. zum Frieden. Der ›Sieg‹, d. h. die geringere Zerrüttung Spartas gereichte diesem nicht zu einem neuen Gedeihen. Theben erhebt sich gegen Sparta und besiegt dieses in der Schlacht bei Leuktra. Philippos, der König von Makedonien, sieht der gegenseitigen Ausmerzung der Hellenenstämme zu, bis er 338
v.d.Z. Athen und Theben bei Chaironeia zerschmettert.
Schon während des Peloponnesischen Krieges hatte Athen die Metoiken, die in Attika ansässigen Fremden, zu den Waffen gerufen und ihnen dafür das Bürgerrecht verliehen.
Das Bürgerrecht wurde schließlich an jeden ausgeteilt, der sich dem Heere anschloß.
Auch nach Chaironeia wurden auf Antrag des Vertreters der Volksherrschaft, Leokrates,
zur Auffüllung der Lücken, welche die Schlacht gerissen hatte, wieder aus den Reihen der Unterschicht neue Vollbürger gewählt. Der Eupatride Lykurgos nannte diese weitere Ausdehnung des Bürgerrechts in seiner Rede gegen Leokrates das Schmerzlichste an dem Unheil, welches Athen betroffen habe.
Platon (427―347) hat sich aus seinem im wesentlichen nordischen Empfinden dem im wesentlichen vorderasiatischen Geiste der sophistischen Lehren entgegengestellt, den Athenern die tiefe Weisheit des altspartanischen Zuchtgedankens zu erschließen versucht und eine Art staatlicher Erbgesundheitspflege (Eugenik) vorgeschlagen, deren Einsichten und Forderungen durchaus mit denen der neuesten Erbgesundheitsforschung (Eugenik, Rassenhygiene) übereinstimmen. Ich habe dies in meinem Bändchen Platon als Hüter des Lebens. Platons Zucht- und Erziehungsgedanken und deren Bedeutung für die Gegenwart (1928) darzustellen versucht. Platons Einsicht und Wirken kam zu spät; er hat das selbst ausgesprochen.
Ein schwacher Einschlag nordischer Rasse ist auch bei den späten Hellenen noch zu bemerken. Die Schädelfunde zeigen eine immer stärkere Zunahme von Kurzköpfen, die
man sich in der Hauptsache als die der vorderasiatischen Rasse denken muß, zugleich
aber eine Abnahme an Geräumigkeit der Schädel, welche auf das Schwinden des hoch-
wüchsigen Einschlags schließen läßt, dem eben der entsprechend größere, geräumigere Schädel eigen war. Zu Platons Zeit mögen die Hochgewachsenen und Blonden schon ziemlich selten gewesen sein.
Die meisten Dichter bleiben beim nordischen Schönheitsbilde der hellenischen Früh-
zeit: Ihre Götter und Helden, Göttinnen und Heldinnen werden immer noch als nordische Menschen geschildert. Einzelne Schriftsteller erwähnen noch Blonde unter ihren Zeit-
genossen; Aristoteles erwähnt das Nachdunkeln der Haare; er erwähnt, daß bei dunkel-
gewordenem Haupthaare der Bart oft noch rötlich bleibe. Dikaiarchos schildert die Frauen Thebens noch im 2. Jahrhundert v.d.Z. als hochgewachsen und blond. Wie in allen Spät-
zeiten der Völker nordischer Rassenherkunft und indogermanischer Sprache, so beginnt
man auch in den oberen Ständen Griechenlands, sich das Haar blond zu färben. Verschie-
dene Schriftsteller berichten von Blondfärbemitteln.
Schwarzes Haar und gar krauses Schwarzhaar galt auch in der Spätzeit bei den Hellenen noch als Anzeichen von Feigheit und List. Noch im 4. Jahrhundert n.d.Z. beschreibt der jüdische Arzt und Sophist Adamantios diejenigen Hellenen, welche etwas vom althelleni-
schen Schlage bewahrt hätten, als hochgewachsene, blonde Menschen mit heller Haut. Zu seiner Zeit war aber Griechenland von einer Bewölkerung bewohnt, welche fast nur noch aus den Spracherben, nicht mehr aus den Blutserben der Hellenen bestand.
Um 150 v.d.Z. hatte Polybios schon von dem Aussterben der griechischen Landschaften berichtet, wie die Städte sich leerten, die Landschaften verödeten, weil die Menschen aus Trägheit, Geldgier und Genußsucht nicht mehr heiraten, die Verheirateten höchstens noch ein oder zwei Kinder aufziehen wollten und so die Häuser leer blieben. Im Jahre 120 n.d.Z. fanden sich auf dem ganzen Peloponnes nur noch 3 000 waffenfähige Männer, während diese Landschaft für Plataiai 479 v.d.Z. noch 74 000 Krieger gestellt hatte. Polybios nennt seine Landsleute verkommene Bettler ohne Treu und Glauben, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Es war das Ende, das auf Entnordung und Entartung folgte.

(Aus: Hans F. K. Günther: Rassenkunde Europas. Mit besonderer Berücksichtigung der Rassengeschichte der Hauptvölker indogermanischer Sprache, München 1929)


Alles Leben ist Auseinandersetzung von Erbanlagen und Umwelt: In der Art und Weise,
wie zwei verschiedenene Menschengruppen sich mit einer annähernd gleichen Umwelt
auseinandersetzen, darin wird deren ererbtes Wesen sichtbar. (…)
Der Niedergang und Untergang des Hellenentums ist im wesentlichen der Ausmerze zuzuschreiben, die im Laufe von etwa anderthalb Jahrtausenden als eine Ausmerze des Krieges und inneren Zwistes und dann immer mehr als eine Ausmerze durch geistige und sittliche Wandlungen eben diejenigen Geschlechter betroffen hat, deren Vorfahren als Indogermanen überwiegend nordischer Rasse aus Mitteleuropa, besonders aus Mittel-
deutschland, eingewandert waren; Entnordung ist die Hauptsache auch dieses Untergan-
ges, eine Entnordung, durch die auch Walther Rathenau wieder erschüttert worden ist. Rathenau hatte geschrieben:
„Der Inbegriff der Weltgeschichte, ja der Menschheits-
geschichte, ist die Tragödie des arischen Stammes. Ein blondes, wundervolles Volk erwächst im Norden. In überquellender Fruchtbarkeit sendet es Welle auf Welle in die südliche Welt. Jede Wanderung wird zur Eroberung, die Eroberung zur Befruchtung der Kultur und Gesinnung. Aber mit zunehmender Weltbevölkerung quellen die Fluten der dunklen Völker immer näher, der Menschenkreis wird enger.“
 Rathenau hat vermutet,
daß heute auch den Völkern Mittel- und Nord-westeuropas die ›Tragödie‹, der ›Untergang des Abendlandes‹ gewiß sei, das Versinken in Bedeutungslosigkeit bei Aussterben eben derjenigen Erbstämme, aus deren Tüchtigkeit sich Staats- und Geistesleben dieses Abend-
landes erklärt. In der Gegenwart gehen die Völker germanischer Sprache, die in ihrem ›Peloponnesischen Kriege‹, also schon im Ersten Weltkriege, einander viele ihrer besten Erbstämme ausgemerzt haben, dem gleichen ›Untergang‹ entgegen wie die Hellenen des vierten vorchristlichen Jahrhunderts.
Walther Rathenau hat von einem zunehmenden „Mangel an Richtkraft, Tiefe und Idealismus“ innerhalb der Bevölkerungen Europas gesprochen und hat diesen Mangel der sich steigernden „Entgermanisierung“ Europas zugeschrieben, also einer Entnordung, von deren Fortgang er das befürchtete, was man später nach Oswald Spengler den „Untergang des Abendlandes“ genannt hat. Eben dieser „Mangel an Richtkraft, Tiefe und Idealismus“ kennzeichnet aber auch die Geschichte des untergehenden Hellenentums seit dem vierten vorchristlichen Jahrhundert.
Hier in Hellas sind wie gewisse beschämende Seiten des allgemein-indogermanischen Wesens so auch gewisse zum Ruhm berechtigende Seiten der allgemein-indogermanischen Erbveranlagung einmal zu einer leuchtenden Reinheit gesteigert worden; gewisse Seiten allgemein indogermanischen Wesens haben sich in Hellas trotz dessen staatlicher Zerklüf-
tung und dessen innerem Neid und Hader in solcher geistigen Freiheit und mit solch freimütiger Ursprünglichkeit entfalten können, daß es hellenischem Geiste gegenüber immer wieder begreiflich wird, wie tief eben die besten Deutschen ―
unbewußt als echte Indogermanen, als germanische Brüder der Hellenen ― vom hellenischen Geiste berührt worden sind, so tief, daß es gegenüber der edlen Artung vieler hellenischer Geschlechter und der edlen Artung hellenischer Kunst auch immer wieder begreiflich wird, wie ein Goethe, der selbst so viel Ursprüngliches zu schenken hatte, einmal ausrufen konnte:
„Doch Homeride zu sein, auch nur als letzter, ist schön! “

(Hans F. K. Günther: Lebensgeschichte des hellenischen Volkes, Pähl 1965)
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