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Streiflichter
in der Zeitenwende 1
 


Der Kreatismus ist viergliedrig.

Er erfaßt erstens den Kosmos als kreisläufig sich entwickelnde Schöpfung göttlicher Formkräfte, die sich auf den verschiedenen Evolutionsstufen verkörpern und zuletzt Götterwesen aus Leib und Blut werden.

Er erklärt zweitens, daß alle Dinge des Universums unbewußt oder bewußt an Gott schaffen, das bedeutet, sich den höchsten Organismus als Aufgabe setzen, wodurch dieses All selbst erst wieder seine letzte Bewußtwerdung und Sinngebung in einem erhabenen Subjekt erfährt.

Dieses Subjekt bejaht sich selbst und die Welt in ihrem Sosein, so daß von dem Höhepunkt des zykischen Rings aus nach vorn gesehen die Welt nichts anderes ist als der bewußte Wille Gottes oder der Götter. Ich sage auch ›der Götter‹. Denn wie alles Leben kann Gott nur aus einer Gemeinschaft wesentlich Gleichrangiger hervorgehen.

Der Weltprozeß entwickelt einen gestuften Pyramidenbau, wobei das Höhere vom jeweils Niedrigeren gestützt wird.

Das Mehr, das jede Höherentwicklung fordert, muß an anderer Stelle in genau derselben ›Quantität‹ geopfert werden.

So dient die Sonnenenergie uns und der Erde seit Jahrmillionen ununterbrochen.

Durch das Opfer wird das Geopferte im Höheren aufgehoben und erhält seinen Sinn.

So darf auch die Nahrungskette in der Natur nicht bloß nach den Gefühlen menschlichen Mitleids beurteilt werden, zumal jedes Lebewesen ohnedies sterben muß und im Naturleben häufig, wenn auch nicht immer, nur das Kranke und Absterbende zur Beute wird.

Im Weltwinter fällt der Kosmos wieder in das Chaos zurück zu neuem Aufstieg.

Drittens ist jedes organismische Gebilde, ja schon das Atom, nur die augenblickliche Verkörperung seines Urmonergons. Tod und Wiedergeburt gehören zusammen wie Nacht und Tag, Winter und Sommer. Der gesunde Instinkt aller gewachsenen Völker traf durchaus die Wahrheit: Wir kommen ewig wieder und wieder ...

Viertens will sich der Kreatismus verstanden wissen als Idee zu dieser Weltstunde, die notwendig neue Tafeln und Werte aufstellt, um die Höherentwicklung bewußt voranzutreiben und zu verhindern, daß das Leben auf diesem Planeten einen fürchterlichen vorzeitigen Niederbruch erfährt.

 

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