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Artreligion
(Prof. Dr. Wilhelm Hauer / Dr. Sigrid Hunke)
Der indogermanische Mensch steht selbstgewurzelt in den eigenen religiösen Erfah-
rungen, ringend um Formen, die zwar den Grundcharakter der Art immer tragen, aber doch in dem Rhythmus eines ständigen Werdens und Vergehens stehen. Jede Form hat ihre relative Gültigkeit. Absolut ist nur der dynamische Kern, aus dem sie hervorwächst. Jede Form muß fallen, wenn ihre Zeit um ist. Aber es ist hier ein ungebrochenes Vertrauen, daß jede neue Zeit wieder ihre eigene Form findet. So steht dieser Mensch in Ehrfurcht vor dem einst Gewordenen auch vor dem Gewor-
denen in anderen Bereichen, das er, sofern es echt war oder ist, nicht als Irrtum verdammt, wenn die Form für ihn nicht oder nicht mehr gültig ist. Darum steht er auch Andersgläubigen mit der souveränen Art eines Menchen gegenüber, der, sicher verwurzelt in seinem Eigenen, den andern sein läßt, wie er sein muß. Und die tiefste Wurzel diese Haltung ist die Überzeugung, daß der schaffende Gott allerorts und aller Zeiten am Werke ist, als Wirklichkeit wirkt und als Wahrheit sich kündet, so wie es der ringende Mensch jeweils braucht. Diese Überzeugung ist in einem Spruch der
Bhagavadgita klassisch ausgedrückt. Dort sagt der Gott: „Ich biet’ mich jedem dar, wie er zu mir die Zukunft nimmt“, d. h. die Majestät und Güte des Gottes besteht nicht darin, daß er den Menschen den Weg aufzwingt, den der ›souveräne Gott‹ will, sondern ihn den führt, den er braucht.
Dazu kommt die große Bescheidung, daß der indogermanische Mensch weiß: Wir besitzen zwar die Wirklichkeit und sind von ihr besessen, aber wir sind ewig auf dem Wege zur Wahrheit, wenn damit Erkenntnis des Letzthinnigen gemeint ist. Absolute Wahrheit in dem Sinne eines endgültigen Besitzes der tiefsten Geheimnisse gibt es nicht. Ein solches Besitzen würde den Tod des lebendigen Geistes bedeuten.
Von hier aus haben wir die Frage nach der Bedeutung der Art für das Werden der Menschen und der Kultur kurz zu betrachten. Gerade in der Gegenüberstellung der beiden Typen in der Vertretung der Wahrheit zeigt sich, daß es nicht gleichgültig ist, welchem Typ man zugehört. Ob ein Mensch die merkwürdige Überzeugung in sich trägt, daß er und seine Glaubensgenossen allein im Besitz der ein für allemal
geoffenbarten ewigen Wahrheit seien und jeder andere, der diesen Glauben nicht besitzt, im Irrtum sich befinde und mehr als das, in seiner praktischen Verwirklichung der hohen Ziele seines Lebens gehindert werde, wodurch ohne Zweifel Achtung und Gemeinschaft leidet, oder ob er, in der Weitherzigkeit nordischer Art, den andern in seinem Glauben gelten läßt, weil er ihm zum Schicksal geworden ist; ob einer sich dogmatisch versteift und das Netz seiner ›Wahrheit‹ allen über den Kopf werfen will, oder ob er dem Leben und seinen Gesetzen vertraut, daß es den andern zu
seiner Art führt; ob er Sicherung sucht in einem Dogma, in einer heiligen Schrift, einem Prophe-
ten, oder ob er verwurzelt steht in der schöpferischen Gottunmittelbarkeit; ob er einen Mittler und Versöhner braucht, um zur Befreiung von seinen Hemmungen und zum Frieden zu kommen, oder ob er in Hingabe an die schöpferischen Mächte lebt, die ihm gnädig im Innersten und in der Seelengemeinschaft mit den Großen seines Volkes begegnen wollen: Dies alles ist
von entscheidender Bedeutung für das Wer-
den eines Menschen
und die Haltung, mit der er in seinem Volke und in der Mensch-
heit steht. Hier ist nicht mehr nur theoretische Betrachtung, hier ist befreiende Erkenntnis und lebensgehorsame Entscheidung gefordert.
Wer wider seine Art han-
elt oder zu handeln sich zwingen läßt, ist ungehorsam gegenüber dem ewigen Willen, der diese Art gewirkt hat und sie zur Gestaltung führen will.


 (Aus: Wilhelm Hauer, Religion und Rasse, 1941)


Das Geheimnis des europäischen Aufgangs: Selbstwerdung und Seinsfindung

Warum aber wird die Neuentfaltung Europas keine leere Utopie sein? Weil alles, was zu ihr nötig ist, alle Mittel oder Heilmittel in seinen Menschen selber liegen als ihr eigenstes, natürliches Wesen, Denken, Glauben  ― ohne daß sie es in Schulungs-
kursen lernen und einüben müßten. Weil es nur des
Abstreifens des Nicht-Eigenen bedarf, um das Eigene sich unbehindert entfalten zu lassen ― um es endlich in Freiheit entfalten zu dürfen! Das Geheimnis des Überlebens, der Neuentwicklung,
des Aufstiegs Europas ― es ist ganz einfach: Sie geschehen durch seine
Selbst-
Verwirklichung in den Maßen seiner Selbst-Verwirklichung:

   
durch das Abstreifen der dualistischen Bewußtseinsstruktur im Geistig-Seeli-
schen, im Welt-Wahrnehmen und -Deuten, im Erleben, Fühlen, Denken, durch Absage an das Denken im Entweder-Oder, in Wertgegensätzen und Einseitigkeiten ― durch das Abstreifen des auf dualistischen Strukturen beruhenden Selbstverständnisses und Menschenbildes des Sünders, des schwachen, ohnmächtigen, unfreien, der Gnade
und Erlösung bedürftigen;

 durch das Abstreifen der dualistischen Geschlechterrollen, des Herrn und Gebieters und des zum Gehorchen, zum Dienen und zum Gefallen bestimmten Weibes und durch Absage an ihre dualistischen Wesenshalbierungen;

durch Absage an die dualistischen Spaltungen und einseitigen Diffamierungen der Gesamtwirklichkeit in Überwelt/Welt, Jenseits/Diesseits, Gott/Welt, Gott/Mensch und aller Bereiche der Wirklichkeit.


Sie alle, die dem Wesen und Bewußtsein des europäischen Menschen nicht entspre-
chen, die ihn gehemmt und gemindert, ihn sich selbst entfremdet und verfremdet,
bis zur Unkenntlichkeit verbogen und entstellt haben, die vor allem die Frauen gebrochen, seelisch verstümmelt, verkrüppelt, versklavt und unsägliches Leid über sie gebracht haben ― diese dem europäischen Menschen zugemuteten, zwangsweise übergestülpten
Bewußtseinsformen haben ihn um sein Selbst und um seine Wahrheit gebracht.
Europa wird erst zu seiner Wahrheit kommen, wenn es wieder es selbst wird, sich selbst bestimmt, sich als solches selbst behauptet, sich gegenüber fremdem An-
spruch selbst
bewahrt und sich in seiner Geschichte als es selbst verwirklicht und bewährt.

(Aus: Sigrid Hunke, Vom Untergang des Abendlandes zum Aufgang Europas, 1981)
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