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Lebensgeschichte der Spartaner 
(Prof. Dr. Hans F. K. Günther)
Die Dorer zerfielen in eine Anzahl Stämme, deren bedeutendster die Spartaner geworden sind. Jeder Dorerstamm zerfiel in drei Verbände, die Pamphyloi, die Dymanes und die Hylleis. Die Hylleis waren illyrischer Herkunft (oder überwiegend), und das heißt, in der Bronzezeit überwiegend nordischer Herkunft wie die anderen hellenischen und indogermanischen Stämme auch. In geschichtlicher Zeit hatten die Spartaner die alte Dreiteilung ihres Stammes aufgegeben; daß sie aber bei ihnen wie bei den anderen dorischen Stämmen bestanden hatte, geht aus einer Stelle bei Athenaios hervor. (…)
Seit -900 schon läßt sich in Sparta die Bildung einer Herrenschicht verfolgen. die das fruchtbare Ackerland der Eurotasebene unter ihre Geschlechter verteilt hatte und nach und nach aus Großbauern zu Gutsherren und Adelskriegern wurde und die aus den Lagerdörfern oder dem Landstädchen Sparta eine Lagerstadt machte, ein dauerndes Feldlager als Machtkern eines Adelstaates. Um dieses Feldlager herum lagen im ganzen Tale die Erbgüter, die klaroi dieser Herrengeschlechter, deren Familienhäupter schließlich dauernd in der Lagerstadt zusammen wohnten und täglichen Kriegsdienst übten. Wie beim Adel der Dorer auf Kreta hielten die sparta-
nischen Herren mit ihren Söhnen die Mahlzeiten gemeinschaftlich ab: die Syssitien sind aus der bäuerlichen Mahlzeit des indogermanischen Hof- und Hausherren abzuleiten, der in der Großfamilie, wie sie ― abgesehen von der noch heute in
Resten bestehenden Großfamilie (Zadruga) der Südslawen ― in Rom als Agnaten-
familie am längsten bestehen blieb, mit seinen Söhnen und deren Frauen und
Kindern und mit seinem Gesinde aus der Familienordnung zu erklären und nicht aus einer männerbündischen Gesittung.
Im 8. Jh. v.d.Z. schon wurde die Königsmacht eingeschränkt durch den Ältestenrat und die Ephoren, (Aussichtsbeamten aus dem Spartiatenadel). Diese Entwicklung erstreckt sich bis ins 5. Jh. v.d.Z., bis zur Auseinandersetzung der Ephoren mit dem König Kleomenes, die mit der Gleichberechtigung der Könige und der Ephoren endete. Auch der Ältestenrat, die gerusia, gewann nach und nach Macht auf Kosten des Königtums. Das spartanische Königtum wurde durch zwei Geschlechter vertreten, aus denen immer ein Nachkomme zusammen herrschte mit einem Nachkommen des anderen Geschlechts. Die Herkunft dieser Doppelherrschaft zweier Häuser, der Agiaden, Nachkommen eines sagenhaften Königs Agis, und der Eurypontiden, Nach-
kommen eines sagenhaften Königs Eurypon, hat bisher nicht erklärt werden können. Die spartanische Verfassung ist durch das Bestehen dreier Volksschichten verschie-
denen Rechts gekennzeichnet, die sich schon im 7. Jh. v.d.Z. in ihrer Trennung und Abstufung erkennen lassen.

1. Die Herrenschicht, die Spartiaten, die grundbesitzenden Vollbürger, der Krieger-
adel, Nachkommen der tatkräftigen Geschlechter dorischer und indogermanischer
Vorzeit, untereinander Freie und Gleiche, daher auch
homoio genannt, Nachkommen also der Großbauerngeschlechter dorischer Vorzeit, getreue Bewahrer eines indo-
germanischen Adelsbauerntums, doch schon in ständischer Ausprägung hervor-
tretend als eine sich abschließende Adelsschicht. Es waren die Besitzer eines
Erbgutes, eines klaros, eines Landbesizes, der etwa 3 Männer und 3 Frauen der spartanischen Schicht ernähren konnte, dazu 7―8 Heilotenfamilien, Knechtefamilien, im ganzen also etwa 20 Menschen. In anderen Hellenenstaaten verlor der Adel in frühgeschichtlicher Zeit an Bedeutung und Macht, als der Kampf mit dem Streitwagen oder zu Pferd abkam und die Reiterei hinter dem Fußvolk an Kriegswert zurücktrat. Die Spartiaten hatten frühzeitig Streitwagen und Reiterei aufgegeben, waren zu
Fußgängern geworden, bauten die Phalanx als Schlachtordnung schwerbewaffneter Fußkämpfer aus, in deren vorderster Reihe sie selbst als Adel kämpften; sie sicherten so zugleich ihre Stellung als Herrenschicht gesteigerten Rechtes.

2. Die Perioikoi: F. Hampl hat nachgewiesen, daß auch die Perioiken dorischer Herkunft waren und dem spartanischen Stamme angehörten. Sie waren Nachkommen minder tatkräftiger Geschlechter, denen bei Landnahme die Äcker an den Hängen der Gebirge zugefallen waren, außerhalb der fruchtbaren Eurotasebene. Die Perioiken waren somit die kleineren Bauern spartanischen Stammes. Die Zahl der Spartiaten-
lose mag etwa 9000 betragen haben, die der Perioikenlose etwa 30 000. Aus der perioikischen Schicht entstanden nach und nach auch Handwerker und Händler-
familien, schließlich Familien, die reicher wurden als die Spartiatenfamilien ihres Wohnorts. Die Perioiken galten als freie Spartaner, waren zu den Olympischen
Spielen zugelassen, waren heerespflichtig, aber auch abgabenpflichtig. Zwischen Spartiaten und Perioiken waren nur lose ungesetzliche Verbindungen der beiden Geschlechter möglich. Auch den Perioiken waren zur Feld- und Hausarbeit unfreie Knechte, Heiloten, zugewiesen. Rassisch waren die Perioiken ursprünglich wahr-
scheinlich den Spartiaten gleich, d. h. überwiegend nordisch. Während aber die Spartiaten streng auf Erhaltung der Auslesehöhe ihrer Geschlechter achteten, mögen die Perioiken sich häufiger mit der vordorischen Bevölkerung, mit Resten des Achaiertums, verbunden und so nach und nach stärkere Einschläge westischer und vorderasiatischer Rasse erhalten haben. Sie verloren wahrscheinlich nach und nach die Überlieferungen der indogermanischen Geschlechterzucht und damit auch die rassische Abgeschlossenheit und Eigenart.

3. Die Heiloten. Es ist die unterste Schicht der schon von den Achaiern unterwor-
fenen vorhellenischen Bevölkerung, der Rasse nach wahrscheinlich westisch-vorder-
asiatisch wie die minoischen Kreter, doch mit einigen Einschlägen nordischer Rasse aus Verbindungen mykenischer Achaiern mit Töchtern der vorachaiischen Schicht.
Die  Heiloten waren leibeigene Staatssklaven, von denen jede Spartiatenfamilie sieben, jede Perioikenfamilie einen zugewiesen erhielt; sie hatten einen kleinen Hof und wenig Ackerland; im Heere dienten sie als leichtbewaffnete Diener ihrer spar-
tiatischen und perioikischen Herren. Sie galten als unterworfene Feinde unter Kriegsrecht.
Es mögen in Sparta um -550 etwa 300―350 000 Menschen gewohnt haben, davon
23 Heiloten und mehr als ¼ Perioiken, dazu etwa 20 000 Menschen der Adelsfami-
lien, worunter kaum mehr als 8000 erwachsene Männer. Von einer so kleinen Zahl sind die Leistungen der spartiatischen Schicht vollbracht worden; aus dieser geringen Zahl stammen so viele Hervorragende, wie diese Schicht gestellt hat.
duerer.tif
balken_1.tif
Dpartiate.tif
Hopliten, 6. Jh., in Dodona, Epirus, entdekt.
MaedchenSparta.tif
Mädchen aus Sparta, Athen, Akropolis.

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