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Herkunft und Ausdehnung der Kelten
(Prof. Dr. Hans F. K. Günther)
Die zweitletzte Welle nordischen Blutes, welche für die Weltgeschichte bedeutsam wurde, ist die der keltischen, die letzte die der germanischen Ausbreitung. Schuch-
hardt (Alteuropa 26) nimmt Süddeutschland, vor allem das Donautal, als Urheimat-
bezirk der Kelten und möchte diesen einen bestimmten donauländischen Gefäßstil der jüngeren Steinzeit, die sog. Bandkeramik, zuschreiben. Im Kreise der Band-
keramik, an welchem wahrscheinlich auch die Urthraker und Urhellenen teilgehabt haben, zeugen sehr häufige Funde von Hacken für den ersten ausgedehnteren Hackbau Alteuropas.
Auf deutschem Gebiete hat die Spiralkeramik sich rheinabwärts bis gegen das
heutige Belgien hin, die Hinkelsteinkeramik durch Sachsen und Thüringen bis gegen den Harz vorgeschoben. So erreichten urkeltische Stilformen östlich und südöstlich von Braunschweig die Grenze der germanischen Megalithkultur. Damit stimmen die sprachwissenschaftlichen Ergebnisse überein, welche die nördliche und östliche
Grenze der Keltenherrschaft auf eine Linie Lüneburger Heide ― Hildesheim ―
Göttingen ― Eisenach ― Thüringerwald festlegten.
Von diesen schon mächtig erweiterten Ursitzen aus begannen die kraftvollen
Vorstöße von Keltenstämmen. Peake (
The Bronze Age and the Celtic World 22) möchte ja annehmen, ein keltischer Vorstoß, welcher blattförmige Bronzeschwerter in England verbreitet habe, sei schon um 1150 v.d.Z. teils die Themse hinauf, teils von der Bucht The Wasch (an der Ostküste) aus vorgedrungen und habe später von Wales aus Irland erreicht, die goidelische oder gaelische Mundart des Keltischen
verbreitend. Ein breites Vorrücken der Kelten vom heutigen Mitteldeutschland aus wird man aber erst für die Zeit um 900 v.d.Z. annehmen dürfen. Von 900 bis 200
v.d.Z. reicht die Zeit der keltischen Vorherrschaft über Mittel- und schließlich auch Westeuropa; ein Machthöhepunkt dieser Keltenherrschaft liegt um 500―400 v.d.Z.
Um 600 stoßen keltische Stämme vom Rheine aus durch Frankreich bis nach
Spanien vor; nach England dringen keltische Stämme von Nordfrankreich aus im 4.
Jh. v.d.Z. Zu Beginn des 3. Jh. v.d.Z. sind von den Kelten besetzt: die britischen
Inseln, Frankreich bis auf den Nordosten, die iberische Halbinsel hauptsächlich in deren Mitte und Nordwesten, Norditalien. Einzelne Keltenstämme sind bis nach
Thrakien und ans Schwarze Meer vorgedrungen; Thrakien und Makedonien werden 279 v.d.Z. besetzt und bald darauf greifen sie nach Kleinasien über, wo in Phrygien und Kappodokien das Galaterreich von ihnen errichtet wird. Die Könige von
Pergamon erfahren von der Mitte des 3. bis zur Mitte des 2. Jh. die kriegerische Stärke dieser Galater. Rom erfährt die Streitbarkeit der Kelten Oberitaliens: die Stadt fällt 390  v.d.Z. in die Hände des keltischen Feldherrn Brennus und seiner Krieger und wird erst frei, nachdem ein Lösegeld bezahlt worden ist.

Die Hallstattkultur der Vorgeschichte ist die eigentliche Gesittung der Kelten. Das
Alpengebiet um Hallstatt (im Salzkammergut), nach welchem diese bronzezeitliche Gesittung genannt ist, muß zur Hallstattzeit mindestens von einer Bevölkerung
besiedelt gewesen sein, deren Herrenschicht und wahrscheinlich auch Sprache
keltisch war.
„Schon früh in der Hallsattzeit erschien ein hochgewachsenes lang-
köpfiges Volk im Jura und am Doubs, welches die Vorhut der Kelten gewesen sein mag.“
(Hamy: Les premiers Gaulois. L’Anthropologie 1906―07) Die Hallsattgesittung führt schließlich von der Bronze ― in die Eisenzeit hinüber; das Eisen dient aber
zunächst nur zur Herstellung von Waffen. Nach 600 v.d.Z. verbreiten die Kelten die Tène-Kultur.
Von den hellenischen und römischen Schriftstellern werden die Kelten gegen die Spätzeit hin als Menschen nordischer Rasse beschrieben; die späteren Kelten hin-
gegen im Vergleich mit den Germanen schon nicht mehr als so hochgewachsen und nicht mehr so blond, sondern eher rötlich. Die gallischen Schädel der frühen Eisen-
zeit ― Schädel also, welche in der Hauptsache der sorgfältiger bestatteten Adels-
und Priesterschicht angehören ― erscheinen noch fast rein nordisch; in der späteren Eisenzeit sind Kurzköpfe schon reichlich vertreten. Wie in der Spätzeit aller Völker nordischer Rassenherkunft scheinen auch bei den Galliern einzelne unter den Dunkelhaarigen Blondfärbemittel verwendet zu haben. Die Gallier des südlichen Galliens haben wohl ein von dem römischen Dichter Martialis (VII, 33, 20) erwähntes Blond-färbemittel,
spuma Batava, angewandt, um den nördlichen Galliern in der Haarfarbe zu gleichen. Das Werk Bienkowski (Die Darstellung der Gallier in der hellenischen Kunst 1908) zeigt neben Bildwerken von Galliern mit vorwiegend nordischen Zügen auch solche, deren massige Glieder und breite Gesichter oder deren buschige Augenbrauen über niederen Augenhöhlen bei tief eingebetteten Augen den fälischen Einschlag im Keltentume erkennen lassen, dann auch Züge, welche einen ostischen Einschlag anzeigen. Die nicht nordischen Einschläge mögen von den hellenistischen Bildhauern zur Hervorhebung einer ― durch ihre Abweichungen vom nordisch-
bestimmten hellenischen Schönheitsbilde zu kennzeichnenden ― gewissen Fremd-
artigkeit besonders betont worden sein, der minder nordische Schlag der Gallier
mag als der vom hellenischen Schönheitsbilde abweichende von diesen Bildhauern unbewußt zur Darstellung ausgelesen worden sein.
Die Eroberung Galliens durch Caesar wäre trotz der Uneinigkeit und Zersplitterung der gallischen Stämme wohl nicht so verhältnismäßig schnell und gründlich durch-
zuführen gewesen, wenn die Gallier noch so nordisch gewesen wären wie die dama-
ligen Germanen. Seit etwa 400 v.d.Z. hatte sich aber ein innerer Zerfall der kelti-
schen Macht in Mittel- und Westeuropa vorbereitet. Innere Zwiste, in denen sicherlich viele überwiegend nordische Adelssippen ausgetilgt wurden, beschleunigen den Niedergang, der Zerfall der Geldwährung begleitete ihn.
Die weit verbreiteten Keltenstämme bildeten außerhalb Mittel- und Westeuropas nur dünne Herrenschichten, welche durch kriegerische Unternehmungen rasch dahin-
schwinden mußten und deren nordische Rasse durch Mischung allmählich zerkreuzt wurde.

(Nach Prof. Dr. Hans F. K. Günther, Rassenkunde Europas 1929)                       
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