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Carlos Dufour
Brinkmanndisput: dritter und letzter Versuch
 

Wie schon mein Name nahelegt und eine Recherche im Internet ergibt, bin ich kein Deutscher. Ich bin Argentinier, werde nie zu einem Paßdeutschen werden und habe somit weder politische Ambitionen noch irgendeine Parteigebundenheit. Trotzdem achte ich Deutschlands Größe und manche Persönlichkeiten, von denen ich einige kennengelernt habe. Unter ihnen war der Historiker Hellmut Diwald, der mich überraschenderweise in Deutschland einig Vaterland (1990: 382) erwähnt hat. Es war ein wohlgemeinter Wink mit dem Zaunpfahl für die Nationalen, nur daß es die Feinde besser registriert haben. Aber vielleicht dachte Diwald an Situationen wie die jetzige.  

Fast jeder Ausländer schätzt deutsche Tugenden wie Güte und Gründlichkeit. In aller Freundschaft gesagt, begleiten diese Eigenschaften Glanz und Elend: Unter glücklichen Umständen führen sie zu Pflichtbewußtsein, Leistung oder gar Genialität;  unter ungünstigen aber zu Pedanterie, Schwerfälligkeit des Humors und bizarrer Leicht-gläubigkeit. Das Problem mit Herrn Brinkmann besteht darin, daß er anscheinend diese letzte Schwäche ausnutzen will, um sich als politischen Vordenker auszugeben.

So fühlte ich mich verpflichtet, ihn zu einem öffentlichen Disput aufzufordern, um Sein und Schein definitiv zu trennen. Ich werde diese Aufforderung hier zum dritten und letzten Mal ergehen lassen. Ich bitte den Leser, die folgenden drei Überlegungen zu prüfen und zu entscheiden, was echt oder unecht an der Sache ist.


I

Erstens ist die Schriftstellerei − sei sie anspruchsvolle Literatur oder schlichte Publizistik − eine Geschicklichkeit, die sich allmählich durch Bildung und Übung entwickelt. Der Ausgangspunkt ist selbstverständlich die eigene Muttersprache, sonst wäre die Schwierigkeit der Redaktion durch mangelnde Sprachkompetenz unüberwindbar. Nun findet man aber keine Schriften von P. Brinkmann auf Schwedisch: alle sind auf Deutsch und erst ab 2008 verfaßt. Wieso? Ich weiß nicht, ob es sich um ein Unikum in der Literaturgeschichte handelt oder wie dieses Phänomen zu erklären ist. Das 21-bändige Kindlerlexikon jedenfalls weiß nichts davon. Also ist es extrem unwahrscheinlich, sagen wir 0,000  1 %, daß Brinkmann der Publizist so existiert, wie man es uns glauben lassen will.


II

Zweitens können fleißige Leser feststellen, daß jede Idee Brinkmanns, und sei sie auch eine Zwergidee, früher oder später eine Entsprechung im Text eines anderen Autors findet. Ein kürzlich erschienener Artikel in Altermedia Triumpf des Willens à la DVU hat über hundert Kommentare nach sich gezogen. In Kommentar N° 65, unterschrieben von Andreas Molau, las ich folgende Erwiderung an einen Kritiker:

„Also Sie werfen mir vor, ich würde vom Abstammungsprinzip abrücken. Einfach mal die Brille aufsetzen und lesen. Habe ich nie getan. Lediglich habe ich, und dabei habe ich mich auf die Ausführungen von Pierre Vial bezogen, darauf hingewiesen, dass die Abstammung nur einen Teil ausmacht. (Zum Beispiel in meinem letzten Aufsatz über Europa).“


Molaus Aufsatz muß der hastig vor der Europawahl geschriebene „Europa verteidigen“ gewesen sein (siehe www.andreas-molau.de/theu.html). Jedoch erhob mein Gedächtnis Einspruch. Ein Aufsatz über Europa, wo Herkunft und Vial vorkommen? Das kam mir bekannt vor, aber war es nicht woanders? So fand ich den Artikel meiner Erinnerung, aber unterschrieben hatte der Publizist Brinkmann. Siehe das zweite Zitat in:  


Es ist gleichgültig, wer bei der Ausbeutung von Vial zuerst da war. Wir sind alle Männer von Welt, kein Plagiat kann uns Furcht einjagen. Nur eine lückenlose Reihe von Plagiaten macht uns stutzig. Und wenn Brinkmann um die gleiche Zeit etwas über Ostgebiete, Ahmadinedschad oder das Schlachten von heiligen Kühen äußert, gibt es immer eine Widerspiegelung bei Molau. Nur ein paar Zitate aus „Europa verteidigen“ wo Molau schrieb:

„Deshalb heißt rechts sein: Die Grenzen in Europa akzeptieren. (...) Es geht nicht darum, irgendwelche historischen Grenzen wiederherzustellen. (...) Was wäre gewonnen, wenn wir heute die Grenzen von 1938 oder von 1937 wiedergewonnen hätten. Und was würde es heute den Völkern bringen. (...) Es ist schon ein Hohn, daß manche Rechte die Wiedergewinnung der Ostgebiete zum zentralen Gegenstand ihrer politischen Agitation machen (...)“

 
Kommt es jemandem bekannt vor? Nein? Vgl. Brinkmanns Erklärung in:


Blicken wir jetzt auf Ahmadinedschad und Iran. Molau informiert uns: „Europa benötigt keine Truppeneinsätze für die USA am Hindukusch oder sonst wo, sondern zum Beispiel taktische Trägerwaffen gegen eine Bedrohung aus dem Iran.“ Ich konnte der Versuchung des Zitats nicht widerstehen. Erstaunlich in jeder Hinsicht! Es klingt fast wie Gideon Harvey  und wird vermutlich bald in einer Europakolumne erscheinen. Vorläufig vergleiche man dies mit Brinkmann unter

Machen wir weiter mit Molaus Schluß: „Es geht nicht um Grenzen. Allenfalls um die Grenzen unseres Denkens. Wir müssen neu anfangen, müssen uns von alten Zöpfen trennen. Heilige Kühe schlachten. Es geht um unsere Zukunft.“ Ja, der heilige Metzger von der DS! Erinnern Sie sich? Schon am 26.08.2008 sagte Brinkmann vorausblickend:

„Wenn wir aus der Frühlingsluft ein Völkererwachen machen wollen, müssen wir das Undenkbare denken und noch viele heilige Kühe schlachten  auch und besonders die eigenen“

Die Linken von Redok und Blick nach Rechts haben schmunzelnd auf andere Parallelen der semantischen Ebene hingewiesen. Siehe:


Sogar manche von Brinkmann veröffentlichte Spitzen gegen mich findet man in Emails von Molau wieder. Seltsam!

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß zwei Publizisten − einer laut Molau sogar „ein unabhängiger Kopf“ − sich so sehr gleichschalten, daß sie immer wieder zur gleichen Formulierung greifen? Wenn sie unabhängige Köpfe sind, wäre die Übereinstimmung fast eine prästabilierte Harmonie in der Publizistik.  Spaßeshalber würde ich die Wahrscheinlichkeit dafür auf 0,4 % schätzen, obwohl dies zu großzügig wirkt.

Wenn wir beide unabhängigen Wahrscheinlichkeiten kombinieren, liegt die Chance für die Existenz von Brinkmann dem Publizisten unter 0, 000 000 4 %. Können die Deutschen der DVU, GfP usw. so arglos sein? Oder sind sie etwa Mitwisser?


III

Drittens bitte ich den Leser, die ominöse Bedeutung dieser Posse zu erwägen. Da hätte eine dubiose Gruppe mit einer erfundenen Persönlichkeit das nationale Publikum aufs schändlichste betrogen. Drücke ich mich deutlich genug aus?  Es wäre der größte Schwindel der Nachkriegszeit im nationalen Milieu. Und noch dazu lobt Molau den Herrn Brinkmann als „unabhängigen Kopf“! Somit werden die Rechten in Deutschland zum Narren gehalten, das allgemeine Gespött ist sicher.

Diese Vermutung ist so ungeheuerlich, daß die Beteiligten sie mit allen Mitteln ausräumen sollten. Wenn Herr Brinkmann seine Glaubwürdigkeit und die seiner Partei  retten will, ist es unausweichlich, den vorgeschlagenen Disput durchzuführen. Sonst verleiht er jeder Person das Recht, ihn als Hochstapler zu bezeichnen und seine DVU als eine traurige Bühne für den Betrug abzustempeln. Zum letzten Mal biete ich Herrn Brinkmann die Gelegenheit, sich von diesem peinlichen Verdacht zu befreien und seinen Ruf wiederherzustellen. Wie jeder leicht versteht, darf Brinkmann dafür nicht einen Stellvertreter ernennen, ohne dadurch den Verdacht zu bekräftigen.


*   *   *
   
So ein öffentliches Streitgespräch ist für Herrn Brinkmann freilich unbequem, aber auch für mich. Was den Dialogpartner betrifft, würde ich mich z. B. lieber mit Michael Winkler oder Günther Schwab unterhalten, denn sie verfügen reichlich über anregende Ideen, die ich früher nicht kannte oder nicht gebührend gewürdigt habe. Was die Öffentlichkeit betrifft, brauche ich sie nicht; ich habe nie Publicity gesucht, um so weniger in Gesellschaft von einem Herrn Brinkmann. Ich lebe zurückgezogen in einer gelassenen Einsamkeit, die nur die Freundschaft unterbricht. Wie Molau scharfsinnig bemerkte, bin ich eine Gestalt aus den Katakomben, jemand, der sich nur wünscht, in Ruhe noch ein paar Bücher zu schreiben.

Aber wenn es notwendig ist, muß der Einsiedler die Katakomben verlassen und rufen: Der Kaiser ist nackt oder wie die Altermedia-Recken sagen würden, der Schneekönig ist nackt.  


Dr. Carlos Dufour 
(Schreibtischtäter)
München, den 13.08.09
 
Nachsatz 1. Man munkelt, daß Herr Molau doch einer Maxime treu ist: „Ich kann nicht in einer Bewegung bleiben, die einen Kerl wie mich akzeptiert.“ Wäre das Gerücht wahr, würde es einiges erklären.

Nachsatz 2. Herr Brinkmann hat lamentiert, daß man über keine Fotos von mir verfügt. Bitte sehr, daran soll es nicht scheitern. Nur sollte man mir verzeihen, daß ich − im Gegensatz zu ihm − eine politische Biographie aufzuweisen habe.
 
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Oben: Carlos Dufour, Redeveranstaltung der NPD, 1990
Unten: Mit General Otto E. Remer, 1990